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Ab an die Algarve

14. November 2009 um 19:54 Uhr | Featured, Panorama | Kein Kommentar | 689x gelesen

Jeder hat eine ganz eigene Vorstellung davon, wie das Paradies auf Erden aussieht. Ich weiß jetzt: Die portugiesische Algarve kommt da in Teilen meiner sehr nahe. Türkisblaues Wasser und weiße Sandstrände, die von riesigen, goldgelben Felsformationen eingerahmt werden. Im Hinterland: Hohe Berge mit faszinierenden Ausblicken bis hin zur Küste. Überall dazwischen kleinere Orte, bei denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.

Albufeira, Stadt am Meer

Albufeira ist unser Urlaubsort und damit Ausgangspunkt aller Aktivitäten. Die Stadt ist ziemlich zentral direkt am Meer an der Algarve gelegen und befindet sich circa 50 Kilometer vom Flughafen in Faro entfernt. Das ehemalige Fischerdorf hat sich in der Vergangenheit zu einer Touristenhochburg entwickelt. Geschichte lässt sich hier nur noch erahnen.

Unzählige Hotels bieten Platz für unzählige Touristen. In der Innenstadt, die nur einen Katzensprung vom Strand entfernt liegt, gibt es zahlreiche Geschäfte, Bars, Cafés und Restaurants. Albufeira ist für sein ausgiebiges Nachtleben bekannt. In der Hochsaison – also in den Sommermonaten – sind die Stadt und der Strand oft hoffnungslos überlaufen. Wir hatten Glück, Ende Oktober kommen nur wenige Urlauber an die Algarve.

Felsenfahrt

Der Hauptgrund für unsere Reise: Die Felsküste. Und die lässt sich natürlich am besten vom Wasser aus erkunden. Grottenfahrten werden entlang der gesamten Küste angeboten, vorrangig im westlichen Teil, da sich der östliche Teil Richtung Spanien durch die Sandalgarve – also ohne klassisch Felsformation – auszeichnet. Wir entschließen uns bei unserer Reise mehr zufällig für eine Grottenfahrt nahe der Stadt Lagos.

Unser Bootsführer: Ein braun gebrannter Portugiese Ende 50, Anfang 60. Im Sommer fängt er die Touristen am Hafen ab, im Winter fängt er Fische – ein kleiner Lebenskünstler. Portugiesisch, Französich, Niederländisch, Englisch, Deutsch und weitere Sprachen zählen zu seinem Repertoire. Seine Lebensgefährtin wohnt in Köln, sagt er.

Mit einem kleinen Motorboot geht es also zu dritt raus aufs Wasser. Zwischen den schroffen Felsen gibt es immer wieder kleine Strandabschnitte, die nur vom Wasser aus oder über lange Treppen zu erreichen sind. Mit ein bisschen Phantasie erwachen die bizarren Felsformation zu Leben. Hier ein Mammut, da der Schnabel eines Adlers, dann ein Gorilla sowie ein Kreuzfahrtschiff aus Stein, dass scheinbar mittten in den Atlantik gemeißelt ist. Mit dem Motorboot fahren wir immer wieder durch kleine Löcher in den Felsen, die das Wasser im Laufe der Zeit dort eingespült hat.

Natürlich sind wir nicht die einzigen, die diese Tour machen. Laufend begegenen wir anderen Motorbooten mit anderen Touristen an Bord. Doch unser Bootsführer ist vermutlich der Beste. Nur er hat eine Muschel, mit er eine Schiffshupe imitieren kann. Auch Tiere kann er imitieren, aber ohne Muschel. Zwischendurch erzählt er. Vielleicht etwas viel für unseren Geschmack. Der Preis für die Tour: 10 Euro pro Person für eine knappe Stunde. Eine lohnende Investition für wunderbare Impressionen.

Hoch hinaus
Ein Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes ist der Berg Foia. Er liegt im direkten Hinterland zur Küste. Mit mehr als 900 Meter Höhe über dem Meeresspiegel überragt er das Umland deutlich. Schon auf der Anfahrt über das Bergdorf Monchique bietet sich dem Besucher immer wieder ein wunderbarer Ausblick auf die kleineren Hügel und zur Küste. Über eine serpentinenartige Straße – die nach südländischen Standards überraschend gut gesichert ist – lässt sich der Gipfel bequem mit dem Auto ansteuern.

Oben angekommen schmälert ein Wald aus Antennenmasten den Eindruck. Trotzdem: Die Aussicht bis zur Küste ist beeindruckend – trotz leicht diesiger Luft. Der Wind bläst kräftig. Die Kamera ruhig zu halten – fast unmöglich. Unangenehm ist es hier. Wir steigen schnell ins Auto und kehren dem Berg den Rücken – mit einigen interessanten Eindrücken im Gepäck.

Am Ende der Welt

Das Cabo de Sao Vicente ist vermutlich der bekannteste Anlaufpunkt an der Algarve. Hier endet Europa, es ist der südwestlichste Teil Portugals. Und in der Hochsaison gibt es dort die letzte Bratwurst vor Amerika. Bei uns leider nicht, der Bratwurst-Wagen ist nicht da.

Am Kap fällt die Landmasse steil in den Atlantik ab. Ein Leuchtturm weist Schiffen den Weg und warnt vor den gewaltigen Felsenformationen. Bei unserem Besuch ist es sehr windig, die Anlage samt Leuchtturm ist leider nicht geöffnet. Wir lassen den Tag mit einem Sonnenuntergang am (ehemaligen) Ende der Welt ausklingen. Beeindruckend.

Diebe im Paradies

Eine andere Tour führt uns komplett in die andere Richtung, also in den Osten der Algarve. Etwas im Hinterland nahe der Stadt Tavira liegt “Pego do Inferno”. Früher kannten diesen wundervollen Platz nur die Einheimischen, er war einfach schwierig zu finden. Heute ist das Gebiet touristisch erschlossen. Verschiedene Wege, viele Treppen und eine Holzbrücke führen zum Ziel. Ein 10 bis 15 Meter hoher Wasserfall speist hier einen kleinen Teich mit klarem Wasser. Ideal zum schwimmen geeignet.

Umrandet wird das Ganze von viel Grün und großen Felsen. Wir bleiben einige Stunden und genießen. So könnte das Paradies aussehen, da sind wir uns einig. Obwohl, nicht ganz: Zum Schluss klauen Unbekannte in einem unbeobachteten Moment meinen Rucksack samt T-Shirts, einer Regenjacke, Sonnencreme und Deo. Ärgerlich. Vor allem deshalb, weil Sonnencreme in Portugal ein halbes Vermögen kostet.

Sprachbarrieren und Gaumenfreuden

Portugiesisch zu verstehen, scheint ohne Vorkenntnisse schier unmöglich. Gerade im Süden klingt die Sprache extrem breit und genuschelt. Und aus dem geschriebenen Wort scheint es auch mit anderen Sprachkenntnissen schwierig bis unmöglich, Bedeutungen abzuleiten. Gut, dass es viele Speisekarten auch auf Deutsch (mit etlichen Rechtschreibfehlern) gibt.

Viele Portugiesen können aber sogar ein bisschen Deutsch. Und da schäme ich mich dann doch leicht. Denn mehr als “Obrigado” für Danke (wobei es da noch Unterschiede zwischen “Danke Frau” und “Danke Mann” gibt) und “Batada Frida” für Pommes ist bei mir nicht hängengeblieben. Fehlende Portugiesisch-Kenntnisse sind aber kein Hindernis, denn mit Englisch kommt man an der Algarve sehr gut weiter. Die britischen Inselbewohner machen den größten Teil der Urlauber aus, darauf haben sich die Portugiesen eingestellt.

In fast jedem Lokal gibt es scheinbar 24 Stunden lang englischen Fußball auf dem Flachbildschirm. Leider macht sich diese Dominanz auch beim Essen bemerkbar. Es gibt englisches Frühstück, also weiße Bohnen mit undefinierbarem Schleim und Speck sowie Spiegelei. Mayonaise und Ketchup schmecken essiglastig – eindeutig gewöhnungsbedüftig. Und Pizza mit Tomatensauce – oft Fehlanzeige. Auch ein paniertes Schnitzel sucht man vergebens, allerdings hat ein Pfeffersteak mit Pommes oder ein Steak portugiesischer Art (Irgendwie wie Gulasch mit einer scharf-süß-sauren Sauce) – natürlich auch mit Pommes – seinen eigenen Reiz. Wirkliche Freude hat, wer auf Fisch steht. Denn Fischgerichte gibt es an der Algarve in allen erdenklichen Variationen.

Suchtfaktor

Am Schluss der achttägigen Urlaubs folgt im Rückblick ein eindeutiges Fazit: Die portugiesische Algarve ist definitiv eine Reise wert. Die Algarve bedient viele Geschmäcker: Strandurlauber kommen voll auf ihre Kosten, aber auch Landschafts-Erkunder (so wie wir) bekommen einiges zu sehen. Für letztere ist ein Mietwagen aber quasi Pflicht. An den fünf oder sechs Tagen, an denen wir unterwegs waren, haben wir locker über 1000 Kilometer abgestottert, obwohl die Algarve von Ost nach West eigentlich recht überschaubar ist.

Auch die Wahl des Urlaubsortes war hervorragend. Von Albufeira waren alle Ziele relativ gut zu erreichen, meist ging es über die (noch) mautfreie A22. Der Ort selbst war auch deshalb optimal, weil wir im Hotel nur Frühstück gebucht hatten. So konnten wir problemlos jeden Tag (auch mehrfach) ein anderes Restaurant ausprobieren. In der Hauptsaison ist Albufeira sicher von Touristen überlaufen, bei uns ging es aber richtig gemütlich zu.

Insgesamt kann man (gerade als Ruhrpottler) schon ein bisschen (oder auch mehr) neidisch auf die Portugiesen sein, die an der Algarve leben. Schön habt Ihr es bei Euch!


Diese und über 40 weitere Aufnahmen dieser unglaublich wundervollen Landschaft im Süden Portugals gibt es übrigens auch im Fotoalbum.

Und falls demnächst wieder ein bisschen mehr Zeit ist, wird es das Ganze hier auch noch einmal in Bewegtbildern geben. Denn bei diesem Urlaub haben wir zum ersten Mal nicht nur unzählige Male den Auslöser der Digitalknipse gedrückt (um genau zu sein: Fast 1.600 mal), sondern auch etliche Stunden Filmmaterial gesammelt. Mehr dazu demnächst.

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