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Das heilige Altmetall

31. Juli 2008 um 15:14 Uhr | Featured, Panorama | 10 Kommentare | 3.571x gelesen

Blick aus dem Fenster: Die Kirche in der Nachbarschaft
Seitdem ich in Gelsenkirchen wohne, werde ich dreimal täglich von den Kirchenglocken daran erinnert, dass in unmittelbarer Nachbarschaft (und damit meine ich in Sichtweite, also quasi direkt vor dem Fenster) eine Kirche steht.

Das ist bei ungünstigen Windverhältnissen manchmal so laut, dass ich die Fenster schließen muss. Sonst platzen meine Ohren. Im Sommer, wenn die Fenster im Schlafzimmer über Nacht geöffnet sind, bin ich nicht erst einmal morgens um sieben Uhr unfreiwillig aus meinen tiefsten (christlichen und völlig unanstößigen) Träumen gerissen worden. Sonntags habe ich zudem immer das Gefühl, dass die Glocken durchgängig läuten und nur kurz pausieren, damit das Metall nicht schmilzt. Kurzum: Es nervt ganz gewaltig.

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Zudem will sich mir einfach kein vernünftiger Grund erschließen, warum die Glocken überhaupt läuten. Die Schäfchen finden schließlich auch ohne sakral-musikalische Lockrufe den Weg zu ihrem Hirten. Und viele, die den Weg in die Kirche vielleicht nicht (mehr) finden, werden zumindest mit ihrer monatlichen Lohnabrechnung daran erinnert, dass es eine Kirche gibt. Kirchenglocken sind also nicht nur nervig, sondern auch völlig überflüssig.

Nervig sind aber auch die Schrottsammler hier in Gelsenkirchen. Mit ihren alten (Schrott-)Lkw tingeln sie durch die Siedlungen, auf der Suche nach – Schrott. Und um genau zu sein: Altmetall. Aus ökologischer Sicht ist es sicherlich höchst bedenklich, dass diese Feinstaubschleudern den ganzen Tag langsam durch die Straßen schleichen. Aus wirtschaftlicher Sicht scheint es aber so zu sein, dass man damit gutes Geld verdienen kann – trotz hoher Spritpreise.

Schrottsammler: Auf der Suche nach Altmetall

Nach fast drei Jahren in Gelsenkirchen – und um genau zu sein in Gelsenkirchen-Scholven – bin ich fest davon überzeugt, dass die Zahl der Schrottsammler in letzter Zeit extrem gestiegen ist. Und damit auch die Lärmbelästigung (und die Umweltbelastung). Denn jeder dieser Lkw hat einen schicken Lautsprecher an Bord, aus dem mir irgendwelche Schrottmelodien (wie passend) entgegen plärren. In schlechter Qualität und in ohrenbetäubender Lautstärke.

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Und auch hier folgt die Frage nach der Notwendigkeit. Es wird kaum ein Mensch noch nach draußen rennen, nur weil der Schrottsammler kommt. Ist ja schließlich nicht der Eismann. Man stellt das Altmetall (sofern man denn überhaupt welches hat) einfach an die Straße und kann sicher sein, dass es innerhalb von 24 Stunden verschwunden ist.

Nun habe ich mir die einmal die Mühe gemacht, zu notieren, wie oft die Schrottsammler hier tatsächlich vor der Haustür vorbeikommen (So etwas macht man übrigens, wenn man seit Wochen fast den ganzen Tag gezwungenermaßen vor dem Schreibtisch sitzt, auf den Bildschirm starrt und nach Ablenkung sucht). Die Ergebnisse sind ohne Gewähr auf Vollständigkeit.

Montag waren insgesamt vier Schrottsammler unterwegs, Dienstag einer, Mittwoch keiner und heute bislang schon wieder zwei. Und so geht das jede Woche. Alle mit nervtötendem Gedudel und – interessanterweise – fast ohne Beute. So viel Altmetall scheint es dann also in Gelsenkirchen doch nicht (mehr) zu geben. Damit sind die Schrottsammler genauso überflüssig, wie die Kirchenglocken. Und das macht zumindest ein bisschen Hoffnung auf baldige Beruhigung des Lärmpegels.

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Kommentare

10 Antworten zu “Das heilige Altmetall”

  1. Nati
    September 2nd, 2008 @ 14:22

    Hallo erst einmal!
    Auch ich finde die Klingelwagen zum Kotz……!
    Mein Mann bitte nicht erschrecken fährt nun seit mehr als 5 Jahren Schrott,was heißen soll es gibt auch noch rücksichtsvolle Schrottsammler! Wir beide mein Mann und auch ich können das gedudel auch nicht mehr hören da es auch uns in Verruf bringt!
    Nicht nur die Tatsache das es Menschen gibt die auch mal einen Mittagsschlaf machen was von den Duddlern völlig überrand wird!
    Aber bitte man darf nicht alle unter einen Hut stecken für solche wie meinen Mann ist der Ruf schon schwer genug! Wenn wir irgedetwas tuen können Sie eine Idee gegen die Dudelkarren haben stehen wir gerne mit tat zu Seite!
    Lieben gr Natalie

  2. Markus (Oberhausen)
    Oktober 15th, 2008 @ 00:36

    Hallo Ihr,
    auch ich fahre seit nunmehr drei Jahren Schrott. Als ich damit angefangen habe war sicher noch nicht soviel los und somit hat sich mancher auch auf den Besuch “seines” Klüngelspit gefreut. In meinen Bezirken beschweren sich die Anwohner mittlerweile auch oft bei mir -obwohl ich die Mittagsruhe fast regelmäßig einhalte-, aber auch bei den Ämtern was mir schon die ein und Kontrolle durch Polizeibeamte eingebracht hat. Irgendwo verständlich! Mit den zur Zit stark fallenen Schrottpreisen wird es sicher aber auch kurzfristig etwas ruhiger um die Flöte werden. Aber für entsprechendes Verständnis sind wir alle irgendwo dankbar.

  3. Markus (Oberhausen)
    Oktober 15th, 2008 @ 00:38

    Ansonsten kann ich mich der Natalie vollkommen anschließen. Schön ist das alles nicht mehr.

  4. lärmgeplagt
    Juni 4th, 2009 @ 07:32

    Es ist jetzt 7Uhr25 und ich habe frei!Aber selbst wenn ich frei habe bin ich um diese Zeit fast zwangsmäßig wach!Ich wohne in einem Dorf mit ca.2000 Einwohnern und einer völlig aus dem Rahmen fallenden, überdimensionierten kath.Kirche mit einem ebenso überdimensionierten Geläut, welches es gefühlt locker mit dem Kölner Dom oder Notre Dam in Paris aufnehmen kann.Mein Schlafzimmmer ist ziemlich klein und sehr gut isoliert, sodass mein Fenster immer einen Spalt offen ist, wegen der Frischluftversorgung.Jeden Morgen um Punkt 7 Uhr bricht mit schöner Regelmäßigkeit das Grauen über das Dorf!Ich meine da hat man frei und wird trotzdem um 7 Uhr von einem 5Minütigen Festgeläut aus dem Bett geworfen, obwohl die Kirche ca.1 Kilometer entfernt ist.Ich finde das zum kotzen!

  5. anonymous
    Juli 14th, 2009 @ 16:15

    Also hier in Iserlohn fahren die Schrotthändler mit Ihrem nervigen Gedudel auch andauernd und oft mehrmals am Tag rum. Auch hier scheinen die nicht viel Beute zu machen, die Schrottwagen sind fast leer. Was mich mittlerweile noch viel mehr aufregt als die Lärmbelästigung ist diese scheinbar Grenzenlose Dummheit. Ich meine irgendwann muss man doch merken dass hier nichts zu holen ist, warum dann mehrmals die Woche und an einigen Tagen sogar mehrmals täglich hier vorbeifahren und die Leute nerven!? Teilweise liegen hier im Briefkasten sogar Zettel mit grausamen Rechtschreib- und Grammatikfehlern in auf denen auf eine Schrottsammlung an dem und dem Tag hingewiesen wird – hallo gehts noch!? Ich frage mich auch ob es sich wirklich Wirtschaftlich rentiert oder die Leute einfach nur zu dämlich sind…

  6. Haze
    Oktober 29th, 2010 @ 14:08

    Diese beschissenen Schrotthändler-LKWs… am liebsten würde ich die mit ‘ner Panzerfaust oder per Granate wegsprengen!!! Wer nicht hören will, muss fühlen… asoziales Dreckspack!! Als ob man sammelstrategisch nicht anders vorgehen könnte als mit Lärmbelästigung.

    Komme aus der Gegend von Lippstadt und das Lärm-Problem scheint in vielen Städten zu existieren und wird auch augenscheinlich immer schlimmer mit der steigenden Raffgier dieser Sammler-Banden.

    Aber ich bin zuversichtlich, dass man auch über StVO §33 da was machen kann.

    Zudem ist die Stadt Hemer dabei, per Unterlassungsverfügungen gegen die Schrotthändler vorzugehen: http://www.hemer.de/startseite/neues/2008/117190100000009267.php

  7. Kassabi Omar
    Dezember 22nd, 2010 @ 21:58

    Moin,
    stellt euch mal vor ,es gäbe keine mobile Schrotthändler. wie wird es den aussehen auf der Strasse, Wälder, versteckte Ecken? einfache Rechnung multipliziere die Zahl der Fernsehern und kühlschränke die du täglisch auf der Strasse geschmissen sehst mal die verschidensten Arten Elektrogeräte (backoffen, Waschmaschine, microwelle,toaster ,stangen axen,… und das geht ja noch weil die grosse Teile sind)
    da Fernsehren und kühlschränke nicht angenommen werden sieht du ja wo sie liegen bleiben.
    Zu der Melodie! man kann diese Leute doch drauf hinweisen dass die zu laut ist auch wenn nur mit einer hässlische nette Mine,Statt einander das Leben schwer zu machen
    Schrottsamlen ist an einer erster Stelle eine soziale Arbeit.
    Man muss nicht vergessen dass es inzwichen viele schwarzarbeit in der Branche gibt.
    Man muss sich gedanken machen wie man die Arbeit saubrer und ordentlicher verrichten kann.
    und Wenn du mal eine Waschmachine hast die 4tem Stock ist und keine Hilfe hast oder eine Frau oder Alter Man bist dann wirst du die schon dir wünschen diese blöde Melodie zu hören.
    Wir helfen vielen Frauen, alten und armen Menschen und auch junge Leute wie du, die denken , die können alles besser.
    MFG
    Schrotthändler

  8. Kevin.s
    April 20th, 2011 @ 17:48

    Fliegende Schrotthändler alles schön und gut aber wenn es so ist das jeden Tag 2 Händler durch die Strafen fahren ist das zu viel. Ein mal in der woche zu einem festen Zeitpunkt ohne dieses Gejaule und alles ist ok. Zudem bin ich nicht so doof und verschenke meinen guten alten Schrott denn wie jeder weis Kleinvieh macht auch Mist und das ist beim Schrott garnicht so wenig oder warum glaub ihr das sich das bei denen lohnt?

  9. ABC
    Mai 30th, 2011 @ 16:13

    Hallo zusammen,

    in Hagen hat das Theater der Schrottsammler auch zugenommen. Da ich gezwungener Maßen nachts arbeite, werde ich so jeden Tag (inkl. Samsatgs!) von den Herren geweckt. Mal um 9 Uhr, mal gegen 11 oder 13 Uhr. An einigen Tagen natürlich auch mehrfach. Was soll das?! Und wie wäre es, wenn jeder, der glaubt er hätte das Recht dazu, so einen Krach macht?

  10. Björn
    August 16th, 2011 @ 17:22

    Hallo,
    ich kann mir ehrlich gesagt auch kaum vorstellen, dass sich mit dem Job großartig was verdienen lässt. Ich bin gegen Ende meines Studiums extra aus der Stadt und dem lärmigen Studentenwohnheim raus – und in den Wohnort meiner Eltern mit weniger als 2000 Einwohnern eingezogen. Die Zahl der Händler hier schwankt auch zwischen 1 und vier pro Tag. Die meisten davon kommen im Laufe des Vormittags, und stören mich persönlich nicht mal so sehr. Aber einer, und zwar genau der, der nicht mit einer Glocke sondern auch mit so einer sehr lauten synthetischen Orgel unterwegs ist, kommt mehrmals die Woche immer so gegen 14-16 Uhr nachmittags. Da ich meine Magisterarbeit schreibe, und dabei auch schon mal abends länger am Schreibtisch sitze, nutze ich häufig das Tief im Biorythmus nach dem Mittagessen zur Ruhe… wenn da nicht dieser Wagen wäre. Vom ersten Ton der zu vernehmen ist bis zum letzten vergehen schon fast 10 Minuten, weil das Gerät dermaßen laut ist, dass man es auch noch hört, wenn er in benachbarten Siedlungen und Straßen rumschleicht. Mich packt dann immer die Wut, und ich würde wirklich gerne mal wissen, ob es nicht rechtliche Schritte gegen so was gibt. Und wie schon eingangs gesagt, ich kann mir bei unserem Dorf, ca. 500-600 Haushalte schätzungsweise und ca. 10-15 fahrende Schrotthändler – Woche für Woche – nicht vorstellen, dass dort noch viel Schrott übrig ist. Ich meine, man hat ja nicht mal eben jede Woche zufällig ne alte Waschmaschine oder ein Geländer oder Omas altes Besteck was man aussortiert… unglaublich.

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